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Albert Feldmann freut sich, mit Jannik Beermann einen motovierten Auszubildenden gefunden zu haben.

Den Traumjob im Blick

von Björn Anders Lützen,
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

„Wir haben einen sehr guten Fachkraft-Agrarservice-Azubi eingestellt! Kommt uns doch einmal besuchen“, so LU Albert Feldmann aus Amelsbüren / Münster am Telefon. Jannik Beermann hatte zu diesem Zeitpunkt die ersten 100 Tage seiner Ausbildung hinter sich. Zeit für ein erstes kleines Fazit.

Jannik Beermann ist in Münster aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. „Einen landwirtschaftlichen Hintergrund habe ich im Grunde nicht. Meine Eltern arbeiten in ganz anderen Branchen. Mein Interesse an der Landwirtschaft wurde aber trotzdem früh geweckt. Durch Zufall habe ich einen Landwirt kennengelernt und dann im Alter von 12 Jahren regelmäßig in der Freizeit auf seinem Betrieb ausgeholfen“, blickt der heute 17-Jährige zurück.
Vier Wochen vor den Sommerferien 2018 hat er sich dazu entschlossen, die Schullaufbahn mit dem Abschluss des Fachabiturs zu beenden und dann ein Fachpraktikum oder eine Ausbildung zu starten: „Ich habe mich über die gängigen Online-Kanäle über die landwirtschaftlichen Ausbildungsberufe informiert. Tiere sind nicht so mein Ding. Technik hingegen begeistert mich. Also bin ich relativ schnell auf die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice und schließlich auf das Lohnunternehmen Feldmann gestoßen.“

Nach einem ersten Treffen Anfang Juni 2018 gemeinsam mit seinen Eltern, sind sein Ausbilder Albert Feldmann und Jannik Beermann sich schnell einig geworden. „Ich erkenne sofort, wie jemand tickt, wenn ich mit ihm ein paar Worte gewechselt habe. Bei Jannik war ich mir sehr sicher, dass er gut ins Team passen würde und so haben wir kurzfristig ein 14-tägiges Praktikum bei uns im Betrieb für den Sommer vereinbart. Dazu kann ich jedem Ausbildungsbetrieb nur raten. In einem Vorstellungsgespräch schaffen es einige Kandidaten noch, sich zu verstellen. In der Praxis halten sie das jedoch nicht über 14 Tage durch und man sieht ganz schnell, wer in den Betrieb passt und wer nicht. Vielen ist bei der Bewerbung auch nicht immer klar, was die Arbeit im Lohnunternehmen bedeutet. Das ist eben nicht nur „Trecker fahren“. Das erkennen die jungen Leute im Praktikum ganz schnell und einige merken, dass die Ausbildung doch nicht das Richtige für sie ist“, beschreibt Albert Feldmann das erste Treffen mit seinem Azubi und ergänzt: „Anfangs hat Jannik noch überlegt, ob er ein einjähriges Fachpraktikum bei uns machen soll, um im Anschluss sein Abitur zu machen. Nachdem wir allerdings den Rundgang über unseren Betrieb gemacht haben und er gesehen hat, welche Technik wir einsetzen und wie bei uns gearbeitet wird, ist ziemlich schnell der Entschluss bei ihm gefallen, die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice direkt zu starten.“

Praktikum vor Ausbildungsstart

Das Praktikum begann dann noch vor den Sommerferien. Jannik Beermann wurde, nachdem die Schulkonferenzen abgeschlossen waren, vom Unterricht freigestellt. „Wenn keine Klausuren mehr anstehen, lassen die Schulen die willigen Schüler auch vor Ablauf des Schuljahres ziehen, was ich persönlich sehr begrüße. Warum sollte man den jungen Leuten, die einen Plan für ihre Zukunft haben, Steine in den Weg legen“, so Albert Feldmann.
Das Praktikum war ein voller Erfolg. Es lag Ende Juni/Anfang Juli genau in der heißen Phase der Getreideernte. Somit gab es viel zu tun und viel zu sehen für den zukünftigen Azubi: „Ich konnte mir vor dem Praktikum nicht so richtig vorstellen, wie die Abläufe in einem Lohnunternehmen funktionieren. Es war genau richtig, erst einmal reinzuschnuppern, bevor der Ausbildungsvertrag unterschrieben wurde. Alle zukünftigen Kollegen waren auskunftsfreudig und haben mir alle meine Fragen beantwortet.“ Während der Zeit wurde Jannik sich mit seinem zukünftigen Chef schnell einig, dass die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice genau das Richtige für ihn sei.

Am 01.08. startete dann die Ausbildung offiziell und der frischgebackene Azubi wurde vom ersten Tag an voll im Betrieb eingespannt. „Ich durfte gleich in der zweiten Woche mit einem John Deere 6 R210 mit der Mulde Sand fahren. Dabei habe ich die Bedienung des Traktors kennengelernt, was von Vorteil war, für meine weiteren Tätigkeiten mit dem Schlepper im Laufe des Sommers“, erklärt Jannik Beermann. Am 10.08. begann dann auch schon die Silomaisernte im Münsterland. In normalen Jahren wird 4 Wochen später gestartet. Die ersten zwei Tage war Jannik bei der Maisabfuhr dabei und hat sich die Abläufe der Ernte und die Zusammenhänge der einzelnen Arbeitsschritte für die erfolgreiche Silierung erklären lassen.

„Danach wurde es dann richtig spannend für mich, denn ich habe die Verantwortung für eine der Mulchkombinationen zum Maisstoppelmulchen bekommen. Einen Tag wurde ich von einem Kollegen eingewiesen und er erklärte mir, worauf es bei dieser Arbeit ankommt und, welche Schäden der Maiszünsler, der durch das Mulchen bekämpft wird, anrichtet. Danach war ich dann mein eigener Herr. Ich hatte die Verantwortung für diese Arbeit und auch für die Technik, die mal eben „schlappe“ 200.000 € wert ist. Jeden Abend habe ich die Maschinen gecheckt, Kühler sowie Filter gereinigt und den Mulcher abgeschmiert. Das war ein guter Einstieg und hat richtig Laune gemacht“, freut sich Jannik Beermann. Und Albert Feldmann ergänzt: „Wir haben ihm morgens gezeigt, welche Flächen zu bearbeiten sind und danach haben wir den restlichen Tag nicht mehr viel von ihm gehört. Das klappte von Anfang an sehr gut. Bei Jannik merkt man, dass er voll dabei ist. Auch wenn abends unsere Mitarbeiter auf den Betrieb zurückkommen und gemeinsam über den abgelaufenen Tag reden, ist er dabei und tauscht sich mit seinen Kollegen aus. Das haben wir schon ganz anders erlebt.“ Rund 500 ha hat Jannik in seiner ersten Saison mit „seinem“ Gespann, dem John Deere 6 R 210 und dem 8-m-Mulcher von Sauerburger, bearbeitet.

Werkstattarbeiten im Betrieb haben ebenfalls einen großen Anteil in den ersten Wochen der Ausbildung von Jannik Beermann eingenommen. In der ersten Zeit hat er dabei dem festen Werkstattpersonal über die Schulter geschaut: „Beispielsweise wurden die Mähdrescher nach der Getreideernte zur Maisernte umgebaut. Das gab für mich – im wahrsten Sinne des Wortes – tiefe Einblicke in die Technik. Darüber hinaus habe ich zur Einwinterung Fahrzeuge gewaschen, eingeölt und die Lichtanlagen kontrolliert. Mich hat während der ersten Monate überrascht, was meine Kollegen in der Werkstatt alles reparieren können.“

Vor der Einwinterung werden im Lohnunternehmen Feldmann alle Maschinen gewaschen, durchrepariert und eingeölt.

6-8 Bewerbungen pro Jahr

Auszubildende zu finden, war für Albert Feldmann bisher noch kein Problem. Er bildet in der Regel drei (1. bis 3. Lehrjahr) gleichzeitig aus. „Wir bekommen normalerweise sechs bis acht Bewerbungen pro Jahr. Und aus diesen wählen wir gezielt aus“, so Albert Feldmanns Erfahrung. Viele Jugendliche hätten aus seiner Sicht kein Verständnis mehr von der Arbeit in der Landwirtschaft: „Die Milch steht im Supermarkt im Kühlregal. Den Gesamtzusammenhang, was für ein Aufwand für die Produktion der Milch nötig ist, kennen heute leider die wenigsten Heranwachsenden.“ Jugendliche setzten heute auch andere Prioritäten, was ihr Leben betreffe. Der Erfolg in der Arbeitswelt rücke in den Hintergrund, meint der Lohnunternehmer, die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten in der Freizeit würden für viele immer wichtiger. „Wir Lohnunternehmer müssen uns darauf einstellen, wenn wir langfristig noch eine Chance auf dem zunehmend enger werdenden Arbeitsmarkt haben wollen. Letztendlich sind die stoßweise auftretenden Arbeitsspitzen während der Saison unser größtes Problem. In dieser Zeit müssen die Mitarbeiter einfach Überstunden machen. Die Kampagnen sind kürzer geworden und wir bieten unseren Mitarbeitern natürlich einen Ausgleich für die geleisteten Überstunden. Sie müssen aber bereit sein, während der Saison mitzuziehen.“ Um die Belastung der einzelnen Mitarbeiter zu senken, hat Albert Feldmann zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Insgesamt arbeiten 11 Festangestellte für das Lohnunternehmen. „Vor 10 Jahren haben unsere Mitarbeiter deutlich mehr Überstunden gemacht. Das geht heute nicht mehr. Sie wollen das nicht und ich will sie nicht verheizen. Also komme ich nicht darum herum, die Belegschaft auszubauen“, fügt der Lohnunternehmer hinzu. Für die Ausbildung im Lohnunternehmen Feldmann sind zwei Mitarbeiter und Albert Feldmann selbst zuständig.

Neben Arbeiten auf dem Feld standen in den ersten Wochen der betrieblichen Ausbildung bei Jannik Beermann Werkstattarbeiten auf dem Plan,

Schule und Berichtsheft

Die schulische Ausbildung der Fachkräfte Agrarservice im Münsterland erfolgt blockweise in Haus Riswick in Kleve. Die ersten Schulblöcke haben Jannik gut gefallen. Insgesamt geht er pro Ausbildungsjahr für neun jeweils einwöchige Blöcke zur Berufsschule. „In den ersten Blöcken haben wir hauptsächlich pflanzenbauliche Themen bearbeitet. Abends habe ich dann noch an einem Schweißkurs teilgenommen. Die Mischung aus Theorie und Praxis passt bei der Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice sehr gut“, meint Jannik Beermann. Im Ausbildungsjahr 2018/2019 haben in Haus Riswick insgesamt ca. 40 Berufsschüler die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice gestartet. Diese sind in zwei Klassen aufgeteilt.
Zur Ausbildung gehört auch das Anfertigen von Tages- und Monatsberichten. Für viele Auszubildende gestaltet sich gerade dieser Punkt als echter Haken während der Ausbildungszeit, das weiß Albert Feldmann aus Erfahrung zu berichten: „Die Jungs müssen regelmäßig daran erinnert werden. Gerade in den heißen Phasen der Saison werden die Berichte gerne einmal vergessen. Schön ist es für uns, dass Jannik nicht zu diesen Kandidaten gehört. Man merkt, dass er durch seine bisherige schulische Laufbahn fest im Sattel sitzt, was das Schreiben betrifft.“ Die regelmäßige Kontrolle des Berichtsheftes gehört für den Ausbilder zur Ausbildung dazu. „Wir wurden von Anfang an auf die ordnungsgemäße Führung des Berichtsheftes hingewiesen. Schließlich ist dieses relevant für die Zulassungen zur Zwischen- und Abschlussprüfung“, ergänzt Jannik Beermann und fügt hinzu: „Ich schreibe mir jeden Abend ein paar Stichpunkte zum abgelaufenen Tag auf, wie zum Beispiel die Wetterlage und die ausgeführten Arbeiten. Diese kann ich dann, wenn Ruhe im Betrieb ist, zu Berichten zusammenfassen.“

Berufliche Perspektiven

„Wir bilden aus, weil wir die jungen Fachkräfte gerne nach Abschluss der Ausbildung in unserem Betrieb halten möchten. Das klappt jedoch nicht immer. Gerade die sehr guten Absolventen gehen den Karriereweg meist nach zwei bis drei Jahren Praxis in unserem Betrieb weiter. Wir hatten schon einige, die dann studiert haben und nach Abschluss des Studiums zu Landtechnikherstellern gegangen sind. Diese suchen gezielt nach Mitarbeitern mit Praxisbezug. Das ist auf der einen Seite manchmal etwas ärgerlich für uns, auf der anderen Seite freuen wir uns, wenn wir jungen Menschen einen erfolgreichen Start in ihre berufliche Karriere ermöglichen können. Häufig treffen wir sie ja später wieder, denn die Landtechnik- und LU-Branche sind eng miteinander verknüpft“, erklärt Albert Feldmann. Der ein oder andere, der den Betrieb verlässt, kehrt darüber hinaus später als Aushilfskraft in den Erntephasen zurück und verbringt seinen Urlaub bei LU Feldmann.
„Die jungen Leute, die eine Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice starten, haben gute berufliche Perspektiven. Sie können zum einen sicher in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Fachkräfte werden händeringend gesucht. Wenn sie den Ehrgeiz haben, können sie sich zum anderen aber auch beruflich fortbilden und beispielsweise den Meisterabschluss machen. Dann stehen ihnen alle Wege zur zweiten Führungsebene in den größeren Betrieben offen. In einigen Jahren werden darüber hinaus viele Betriebsleiter in den Ruhestand wechseln und ihre Betriebe abgeben wollen. Auch hier tun sich Chancen für die guten Fachkräfte auf“, ist Albert Feldmann überzeugt und gibt jungen Auszubildenden abschließend einen Tipp: „Diejenigen, die ihre Branche gefunden haben, sollten richtig Gas geben. Im Moment werden überall Fachkräfte gesucht. Die Chancen, sich beruflich weiterzuentwickeln, waren selten so günstig wie heute.“
Für Jannik Beermann steht nach den ersten Monaten der Ausbildung im Betrieb Feldmann fest: „Der Start ins Berufsleben war für mich genau richtig. Froh bin ich über die Bedingungen in meinem Ausbildungsbetrieb. Das Betriebsklima ist sehr gut, die Kollegen hilfsbereit und auskunftsfreudig. Mir wurde von Anfang an Verantwortung übertragen. Jetzt möchte ich meine Ausbildung mit einem guten Abschluss beenden. Danach könnte ich mir gut vorstellen, die Weiterbildung zum Agrarservicemeister zu beginnen.“

Björn Anders Lützen,
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN

Das Azubi-Tagebuch
Jannik Beermann wird ein Jahr lang für die Zeitschrift LOHNUNTERNEHMEN und die Online-Kanäle (Facebook, Instagram und Newsletter LU-Mail) das „Azubi-Tagebuch“ führen und über seine Ausbildung im Lohnunternehmen Feldmann sowie in der Berufsschule Haus Riswick berichten. Im LU-Web finden Sie die Beiträge unter Azubi-Tagebuch.

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